
Desinfektion & Hygiene: Häufigkeit & Turnus
Warum die thermische Desinfektion keinem pauschalen Wochenrhythmus folgt, sondern anlass-, befund- und risikobezogen geplant wird – und warum eine wöchentliche Legionellenschaltung nicht genügt.
Warum die thermische Desinfektion keinem pauschalen Wochenrhythmus folgt, sondern anlass-, befund- und risikobezogen geplant wird – und warum eine wöchentliche Legionellenschaltung nicht genügt.
„Thermische Desinfektion – wie oft?“ Darauf gibt es keinen pauschalen Wochenrhythmus. Die Maßnahme wird anlass-, befund- und risikobezogen geplant. Entscheidend sind der mikrobiologische Befund, der Zustand der Trinkwasserinstallation, die Risikoabschätzung und die anschließende Erfolgskontrolle. Eine vorbeugende wöchentliche Aufheizung ist weder notwendig noch mit einer fachlich festgelegten Sanierungsmaßnahme gleichzusetzen.
Darum geht es hier
- check_circle Wann sinnvoll
- check_circle Wiederholung
- check_circle Legionellenschaltung
Wann kommt eine thermische Desinfektion infrage?
Sie wird insbesondere zur Verringerung einer mikrobiellen Belastung in Trinkwassersystemen eingesetzt, häufig bei Legionellenkontaminationen. Wird der technische Maßnahmenwert für Legionellen von 100 KBE je 100 Milliliter erreicht, verlangt die Trinkwasserverordnung jedoch nicht automatisch eine thermische Desinfektion. Der Betreiber muss vielmehr die Ursachen untersuchen, eine schriftliche Risikoabschätzung erstellen und die erforderlichen Schutzmaßnahmen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik festlegen und dokumentieren. Das kann eine thermische Desinfektion einschließen. Maßgeblich bleiben Befund und konkrete Anlagensituation (§ 51 TrinkwV).
Mögliche Anlässe sind:
- eine festgestellte mikrobielle Kontamination,
- ein erneuter positiver Befund nach vorausgegangenen Maßnahmen,
- Stagnation oder nicht mehr benötigte Leitungsabschnitte,
- unzureichende Temperaturen oder Zirkulation,
- hydraulische Mängel der Installation.
Vor der Durchführung sollte die Ursache ermittelt werden. Bleiben Stagnation, Totleitungen oder betriebliche und hydraulische Defizite bestehen, kann die Belastung erneut auftreten. Die thermische Desinfektion ersetzt deshalb keine nachhaltige Sanierung der Installation.
Anlassbezogen statt nach Kalender: Befund, schriftliche Risikoabschätzung nach § 51 TrinkwV und dokumentierte Erfolgskontrolle entscheiden über Zeitpunkt und Wiederholung.

Wann muss die Maßnahme wiederholt werden?
Nicht nach sieben Tagen, sondern wenn Durchführung oder Erfolgskontrolle dies erforderlich machen. Eine Wiederholung kommt insbesondere in Betracht, wenn nicht alle betroffenen Bereiche ausreichend erhitzt wurden, die nachfolgende Untersuchung weiterhin eine Belastung zeigt oder später eine erneute Kontamination festgestellt wird.
Für eine korrekte Durchführung müssen nach dem Merkblatt des Fachbereichs Gesundheit der Stadt Herne im gesamten betroffenen System mehr als 70 °C erreicht und sämtliche Warmwasserzapfstellen mindestens drei Minuten mit entsprechend heißem Wasser gespült werden. Temperatur und Zeit sind an den Entnahmestellen zu messen und zu dokumentieren. Eine hohe Anzeige am Speicher allein genügt daher nicht.
Ist die Speicherkapazität zu gering, können mehrere unmittelbar aufeinanderfolgende Aufheizzyklen nötig sein. Der mikrobiologische Erfolg soll laut Merkblatt etwa ein bis vier Wochen nach der Maßnahme kontrolliert werden. Ein weiterhin auffälliges Ergebnis erfordert eine erneute fachliche Bewertung: Ursachenanalyse vertiefen, technische oder betriebliche Mängel beheben und erst dann über eine Wiederholung entscheiden.

Warum die wöchentliche Legionellenschaltung nicht genügt
Eine Legionellenschaltung hebt die Temperatur des Wärmeerzeugers periodisch an. Sie weist jedoch nicht nach, dass Zirkulation, entfernte Zapfstellen und ungünstig durchströmte Teilstrecken ausreichend heiß wurden. Der DVGW bezeichnet eine regelmäßige Aufheizung, beispielsweise wöchentlich auf 70 °C, als hygienisch und energetisch nicht sinnvoll. Seine technische Information stellt außerdem klar, dass eine periodische Temperaturerhöhung keine thermische Desinfektion darstellt (DVGW zur Legionellenvermeidung, DVGW twin Nr. 8).
Für Betreiber in Hannover gilt daher: nicht nach Kalender desinfizieren, sondern nach Befund und Risiko – und nur so oft, wie dokumentierte Durchführung, Ursachenbeseitigung und Erfolgskontrolle es verlangen.

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