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Fassade mit Graffiti, dessen Entfernungskosten je nach Häufigkeit und Vertragslage umlagefähig sein können
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Ratgeber

Graffitientfernung als Betriebskosten: Umlage prüfen

Ob Vermieter die Graffitientfernung über die Nebenkostenabrechnung umlegen dürfen, hängt von Art, Häufigkeit und der vertraglichen Regelung ab – ein allgemeines Gesetz gibt es dafür nicht.

Ratgeber

Ob Vermieter die Graffitientfernung über die Nebenkostenabrechnung umlegen dürfen, hängt von Art, Häufigkeit und der vertraglichen Regelung ab – ein allgemeines Gesetz gibt es dafür nicht.

Ob Vermieter die Kosten der Graffitientfernung über die Nebenkostenabrechnung auf Mieter umlegen dürfen, hängt von der Art und Häufigkeit der Maßnahme, der vertraglichen Regelung im Mietvertrag und der Abgrenzung zwischen bloßer Reinigung und notwendiger Instandsetzung ab.

Im Überblick

Darum geht es hier

  • check_circle Rechtsgrundlage
  • check_circle Reinigung vs. Instandsetzung
  • check_circle Häufigkeit
  • check_circle Mietvertrag
  • check_circle Rechtsprechung
Voraussetzungen im Überblick

Wann ist die Umlage möglich? Die vier Voraussetzungen

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Graffitientfernung ist nicht automatisch als Betriebskosten umlagefähig. Eine Umlage kommt nur in Betracht, wenn folgende Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind:

  • Die Maßnahme erfolgt wiederkehrend und turnusmäßig,
  • Sie beschränkt sich auf die Entfernung von Farbresten ohne Einfluss auf die Gebäudesubstanz,
  • Sie wird vertraglich als sonstige Betriebskosten oder als Bestandteil der Gebäudereinigung vereinbart,
  • Die Abrechnung ist transparent, nachvollziehbar und frei von Instandsetzungsanteilen.
Nur wenn alle vier Voraussetzungen gemeinsam vorliegen, ist eine Umlage der Graffitientfernung auf die Mieter rechtlich tragfähig.
Checkliste der vier kumulativen Voraussetzungen für die Umlage der Graffitientfernung
Rechtsgrundlage

Ist Graffitientfernung als Betriebskosten umlagefähig?

Die Frage, ob Vermieter die Kosten der Graffitientfernung über die Nebenkostenabrechnung auf Mieter umlegen dürfen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es gibt kein allgemeines Gesetz, das Graffitientfernung explizit als umlagefähige Betriebskosten ausweist – weder in der Betriebskostenverordnung (BetrKV) noch im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB). Stattdessen hängt die rechtliche Einordnung von mehreren Faktoren ab: der Art und Häufigkeit der Maßnahme, der vertraglichen Regelung im Mietvertrag und der Abgrenzung zwischen bloßer Reinigung und notwendiger Instandsetzung.

Die Betriebskostenverordnung definiert Betriebskosten in § 1 Abs. 1 als laufend entstehende Kosten, die dem Eigentümer durch den bestimmungsgemäßen Gebrauch des Gebäudes oder Grundstücks entstehen. Kostentypen wie die Instandhaltung und Instandsetzung gemäß § 1 Abs. 2 BetrKV sind ausdrücklich ausgeschlossen. Da § 2 BetrKV die Graffitientfernung nicht als eigene Kostenart nennt, muss geprüft werden, ob sie unter bestehende Positionen wie „Gebäudereinigung“ (§ 2 Nr. 9 BetrKV) oder „sonstige Betriebskosten“ (§ 2 Nr. 17 BetrKV) subsumiert werden kann – oder ob sie vielmehr als Instandhaltung einzustufen ist, die nach § 1 Abs. 2 BetrKV nicht umlagefähig ist.

Betriebskostenabrechnung, in der geprüft wird, ob Graffitientfernung als Gebäudereinigung einzuordnen ist
Abgrenzung

Laufende Reinigung oder einmalige Schadensbeseitigung?

Die entscheidende Unterscheidung liegt darin, ob es sich um eine laufende Reinigung oder um eine einmalige Schadensbeseitigung handelt. Betriebskosten müssen regelmäßig und voraussehbar anfallen. Eine einmalige Beseitigung von Graffiti nach einem Vandalismusfall wird dagegen überwiegend als Instandhaltung oder Instandsetzung angesehen – also als Kosten, die dem Vermieter obliegen und nicht auf die Mieter umgelegt werden dürfen. Erst wenn Graffiti an einem Gebäude wiederkehrend auftreten und die Entfernung turnusmäßig im Rahmen einer präventiven oder unterhaltenden Reinigung erfolgt, besteht die Möglichkeit, die Maßnahme als laufende Gebäudereinigung einzuordnen – vorausgesetzt, sie bleibt auf die Beseitigung von Farbresten beschränkt und greift nicht in die Gebäudesubstanz ein.

Hierbei ist der Inhalt der Arbeiten entscheidend. Beschränkt sich die Maßnahme auf das Entfernen von Farbschichten mit geeigneten Reinigungsmitteln und Techniken (z. B. Hochdruckreinigung, chemische Lösungsmittel ohne Substanzschädigung), kann sie als Gebäudereinigung gelten. Werden jedoch Putzausbesserungen, Anstricherneuerungen oder Fassadeinstandsetzungen notwendig, liegt eine Instandsetzung vor – und damit ein klarer Fall von nicht umlagefähigen Kosten nach § 1 Abs. 2 BetrKV. Die bloße Bezeichnung auf der Rechnung als „Fassadenreinigung“ oder „Fassadenreinigung“ ist dabei nicht maßgebend; es kommt auf die tatsächlich erbrachten Leistungen an.

Fassade während der Graffitientfernung, bei der Reinigungs- und Instandsetzungsanteil getrennt zu bewerten sind
Häufigkeit

Warum die Häufigkeit der Entfernung entscheidend ist

Auch die Häufigkeit spielt eine zentrale Rolle. Ein einmaliger Vorgang spricht gegen die Annahme eines laufenden Kostencharakters. Dagegen kann eine turnusmäßige Entfernung – etwa halbjährlich oder jährlich bei bekanntem Graffiti-Risiko – unter bestimmten Voraussetzungen als regelmäßige Betriebskosten positioniert werden. Allerdings ist auch hier Vorsicht geboten: Eine regelmäßige Durchführung macht die Maßnahme nicht automatisch umlagefähig, wenn ihr Zweck die Wiederherstellung eines beschädigten Zustands ist. Entscheidend ist, ob die Arbeiten präventiv oder reinigend erfolgen oder ob sie einem Instandsetzungszweck dienen.

Turnusmäßige Fassadenreinigung, deren regelmäßige Häufigkeit für eine Einordnung als Betriebskosten sprechen kann
Vertrag

Der Mietvertrag als vertragliche Grundlage

Der Mietvertrag bildet die vertragliche Grundlage für jede Umlage. Nach § 556 BGB können Vermieter und Mieter vereinbaren, dass der Mieter Betriebskosten trägt. Ohne solche Vereinbarung ist eine Umlage grundsätzlich ausgeschlossen – selbst wenn die Kosten objektiv umlagefähig wären. Soll die Graffitientfernung als „sonstige Betriebskosten“ nach § 2 Nr. 17 BetrKV abgerechnet werden, muss diese Kostenart im Mietvertrag ausdrücklich benannt sein. Eine allgemeine Klausel wie „Der Mieter trägt sämtliche Betriebskosten“ oder „auch sonstige Betriebskosten“ reicht in der Regel nicht aus, um eine spezielle Position wie die Graffitientfernung abzudecken, wenn sie nicht zum üblichen Leistungsumfang der Betriebskosten gehört. Für mehr Sicherheit sollte eine ausdrückliche Vereinbarung getroffen werden, die Art, Umfang und Häufigkeit der Graffitientfernung festlegt – wobei auch dann geprüft werden muss, ob die Kosten tatsächlich laufend und nicht als Instandsetzung einzustufen sind.

Mietvertrag mit Betriebskostenklausel, die Art und Häufigkeit der Graffitientfernung ausdrücklich regeln sollte
Abrechnung

Transparenz in der Betriebskostenabrechnung

Bei der Betriebskostenabrechnung sind Transparenz und Nachvollziehbarkeit unerlässlich. Der Vermieter muss die Graffitientfernung klar ausweisen und nachweisen, dass sie als umlagefähige Kostenart eingeordnet werden kann. Liegt eine Rechnung vor, die sowohl Reinigungs- als auch Reparaturarbeiten umfasst, müssen diese Positionen getrennt ausgewiesen werden. Nur der reinigende Anteil darf auf die Mieter umgelegt werden; jeder Instandsetzungsanteil verbleibt beim Vermieter. Für die Prüfung sind neben Mietvertrag und Abrechnung auch Leistungsnachweise, Fotos vor und nach der Maßnahme sowie gegebenenfalls Zeugenaussagen oder Gutachten relevant. Mieter haben das Recht, Einsicht in die Abrechnungsbelege zu verlangen (§ 556 Abs. 3 BGB). Vermieter sollten entsprechend dokumentieren können, warum sie die Maßnahme als laufende Reinigung und nicht als Instandsetzungsmaßnahme bewertet haben.

Getrennt ausgewiesene Rechnungspositionen für Reinigungs- und Instandsetzungsanteil der Graffitientfernung
Rechtsprechung

Was sagen die Gerichte?

Die Rechtsprechung zeigt uneinheitliche Tendenzen. Einige Gerichte haben eine Einordnung als Gebäudereinigung bejaht, wenn lediglich oberflächliche Verschmutzungen entfernt wurden und die Arbeiten regelmäßig anfielen – etwa das Landgericht Kassel in einer grundsätzlichen Erwägung, obwohl es im konkreten Fall den regelmäßigen Anfall verneinte. Andere Gerichte, wie das Amtsgericht Berlin-Mitte, unterschieden eindeutig zwischen rein reinigenden Arbeiten und solchen, die die Gebäudesubstanz betreffen. Weitere Gerichte, darunter das Landgericht Berlin und das Landgericht Köln, haben die Graffitibeseitigung konsistent als Instandhaltung oder Instandsetzung eingestuft – insbesondere wenn ein Schadensfall vorlag oder die Fassadenoberfläche wiederhergestellt werden musste. Diese Divergenz unterstreicht, dass es keine bindende höchstrichterliche Regelung gibt und dass jede Entscheidung einzelfallabhängig getroffen werden muss.

Gerichtsurteile zur Graffitientfernung fallen je nach Einzelfall unterschiedlich aus
Fazit

Im Zweifel rechtlich prüfen lassen

Bei Zweifel sollten Vermieter und Mieter die konkrete Umstandslage prüfen – idealerweise mit rechtlicher Unterstützung –, um Fehlbelegungen und Streitigkeiten zu vermeiden. Eine pauschale Umlage ohne Differenzierung zwischen Reinigung und Instandsetzung ist rechtlich riskant und wird von Gerichten regelmäßig beanstandet.

Rechtliche Prüfung einer strittigen Betriebskostenabrechnung zur Graffitientfernung
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